Philosophie

Distanz
Philosophie tritt stets einen Schritt zurück; so weit, bis ein Ganzes sichtbar wird. Sie ist die Kunst der strategischen Distanzaufnahme. Das wird oft verwechselt mit emotionaler Kälte (a la Mr. Spock).

Das philosophische Staunen
Philosophie ist auch die Kunst des Staunens. Das philosophische Staunen ist kein Ammenmärchen, welches Philosophinnen und Philosophen gerne in besinnlichen Geschichten präsentieren. Es ist ein Erkenntnismethode. Sie besteht darin, dass Bekannte aus einer Perspektive zu betrachten, in der es fremd erscheint. Verfremdung nannte es Bertolt Brecht. Das Staunen hat eine Besonderheit, es gibt das Staunen in zwei Formen:
1.) Man kann es herbeiführen. Das ist die didaktische Form. Diese hat weniger zu tun mit dem Vorführexperiment im Chemieunterricht oder mit irgendwelchen technischen Effekten (das ist eher das Staunen als Spektakel), als vielmehr mit einer Fragekunst, die z.B. mit folgenden Worten eingeleitet werden könnte: "Nehmen wir einmal an,...".
2.) Das Staunen als Schicksal. Dieses Staunen kann niemand herbeiführen. Es stößt uns zu, so wie ein überraschendes Ereignis. Das kann eine große oder kleine Katastrophe sein, oder ein Glücksmoment, es kann eine plötzliche innere Wandlung sein, wie es in der Geschichte von vielen Menschen berichtet wird, aber auch der plötzliche Zustand der in einem Heureka-Moment mündet, jener Zustand also, dem die Menschheit so viele Erkenntnisse und Erfindungen verdankt.
Und wenn man beides Zusammen betrachtet, dann ist die didaktische Form nichts anderes, als ein sich-Öffnen für das schicksalhafte Staunen, die Übung ins Unerwartbare.